this years mostly disappointing design-mag: the IKEA-katalog

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Es ist september. Geschafft – das IKEA jahr ist zu ende, ein neues beginnt… Vor kurzem war es dann an einem verdienten feierabend soweit: Teechen, entspannte musik, kerzenlicht und der IKEA katalog. Doch leider war die enttäuschung riesengroß. Vielleicht denke ich mittlerweile schon zu anspruchsvoll, um ihre massenindividualität würdigen zu können. Oder ist das motto dieser session einfach nur zu unpassend, um mir zu imponieren …

Alles kommt wieder. Sicher irgendwie. Doch müssen wir jetzt schon wieder back to the 70s? Das knallige hat mich beim durchschauen erschlagen. Auch wenn die hintergrundsjazzmusik ruhig war, so war sie nicht ruhig genug, um meine farblich überforderten nerven zu beruhigen. Sicherlich bleiben bestimmt 80% des IKEA repertoires unverändert. Zwar wechseln sofabezüge, billys die farben und holzlasuroptionen, doch die modelle können jahrelang im katalog auftauchen. Aber die restlichen 20% haben es geschafft, mich zu schockieren. Konstant wird mit kontrast gespielt. Schocking is everything!

Seite 10: Dunkle schrankwand (okay. Wenge-holz war schon anfang des 21.jhd. hipp.) dominiert den wohnbereich. Im kontrast dazu kleine (knallig)bunte möbel, textilien und „dinge“.
Seite 29: Merkwürdiger hund sitzt auf kuhfell-hocker. Die wand im hintergrund ist horizontal geteilt in leinen-struktur-tapete und knallgrüne holztäfelung.
Seite 30: Das kontrastspiel wird etwas „weicher“ fortgesetzt.

Auf den küchenseiten geht es etwas gelassener weiter. Hier wird viel mehr weiß eingesetzt. Es tauchen sogar die gemütlichen landhausstilmöbel wieder auf, die noch immer ihren platz beim neugeborenem kind haben (s. 80 und 181/182). Bestimmt gibt es auch zu der reihe (LEKSVIK & ASPELUND) passende wohnzimmer- und schlafzimmermöbel, nur tauchen diese nicht in den szenebildern, sondern nur auf den überblicksseiten auf.
Schlafzimmermöbel sind flächig, teilweise kühl/frisch (s. 132/133 und 138). Es dominiert wieder das kontrastspiel, wobei hier oft das bettzeug als kontrastträger dient: S. 124 und 128.
Der slogan auf der s. 163 bringt es auf den punkt: Ein spiegel deiner persönlichkeit (rubrik: Ankleiden), individualität, aus dem baukastensystem IKEA, deine welt zusammenbasteln, dich selbst verwirklichen – nicht nur wohnen bzw. leben! … Vielleicht leben wir alle mittlerweile in wohnungen/häusern/wg-zimmern, mit denen wir unsere individualität dem besucher beweisen müssen. Hier bin ich: die knallig, ausgeflippte, die den mut hat zu einem schrillen sofa (s. 19). Ich sag, was ich denke, mach was ich will und nehme mir, was ich brauche.

Bevor ich zum schluss komme, noch eine paar worte über das „tolle“ IKEA magazin-layout. Sonderangebote liegen meist auf flachen schwarzen oder auch pink, grün, blauen oder manchmal sogar weißen hintergründen. Im alten katalog standen die produkte im raum. Heuer werfen sie keinen schatten, sondern wirken wie ausgeschnitten und hingeklebt. Warum? Sieht aus wie im comic.
Als designer freue ich mich, wenn menschen verstehen, das design ein interdisziplinärer prozess ist. IKEA hat seit einigen jahren ihren designern eine präsenz eingeräumt, die sie ein wenig zu pop-stars macht. (unterschriften der designer auf den böden der plastikschüsseln!?) Okay, ist sicherlich auch eine vermarktungsstrategie, da ja seit längerem design anscheinend gute qualität verspricht. Im alten katalog (s. 88) wurden designer mit oberkörperfoto, unterschrift und namen vorgestellt. Im neuen sind es nur noch die grinsende köpfe! Noch verrückter wirken manche designerköpfe (okay, das wortspiel klappt, doch das bild ist immer noch absurd!), von denen eine art label abgeht, um für die designerinfos auf der IKEA-webseite zu werben. Wozu?

Der schluss:
Mir fehlt die ethno-line vom letzten jahr. Gestern lag das monatliche neuheiten-heft im briefkasten und der titel zeigt eine textile, die ich zum ethno-stil sortieren würde. Warum fehlt mir ethno? Warum zieh ich farben und mustern vor, die weniger knallig sind? Vielleicht weil sie mir mehr raum geben? Raum zum denken, fühlen, agieren, reflektieren innerhalb meiner eigenen wände. Genau das ist es, was in dem katalog fehlt: die dynamik des lebens! Menschen und tiere tauchen oft vereinzelt auf und schauen einem im neuen katalog gerade an. Im alten haben wir sie in ihrem zuhause besucht, wir konnten sie beim miteinanderleben beobachten. Das leben ist dieses jahr nicht aktuell. Schade, ich fand’s inspirierender!

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