das neue auto meiner schwiegereltern ODER warum scheint es so wenig umweltfreundliche autos zu geben?

Bevor ich meine gedanken zu diesem thema niederschreibe, muss ich fairerweise gestehen, dass ich – obwohl ich seit sieben jahren einen führerschein besitze – so gut wie nie gefahren bin. Schadet auch nichts, denn ich lebe in berlin! Deshalb sind autos für mich dinger, um von A nach B zu fahren. Wie naiv junges designWesen, denn autos sind unendlich viel mehr!

Meine schwiegerelten haben sich einen gelände-opel gekauft. Da sie regelmäßig mit ihrer jungen englischen bulldoge in die pampa fahren, der sich dort einsaut, sie dann mit einem stinkendem hund und schließlich in einem stinkendem auto zurück fahren müssen, wuchs die sehnsucht nach einem größerem vehikel.

Bezüglich des deutschen autobesitz-verhaltens ein paar fakten, entnommen aus dem paper „psychologie des mobilitätsverhaltens„[1] : In mehr als 80% der fälle wird in deutschland für den personenverkehr der pkw genutzt. Zwischen 1960 bis 2006 hat sich der bestand der pkws mehr als verzehntfacht, obwohl herr durchschnitt genauso viele wege am tag zurücklegt wie damals. Nämlich 3,5! Sicherlich sind die wege länger, doch dies wird auch in diesem paper als eventuelle folge dieser entwicklung dargestellt. Welche weiteren veränderungen haben zu unserer innigen autoliebe beigetragen?: Mehr kohle, neue wohngemeinschaftsformen (und weil wir doch soziale wesen sind, fahren die singels natürlich immer zu freunden), glücklicherweise sind vielmehr frauen erwerbstätig, die auch eine auto“benötigen“ und wohnort und arbeitsstätte liegen selten nah beieinander. Zu guter letzt wollen alle, wenn die sonne scheint ins grüne oder zu schwiegereltern zum kaffee. Fazit: autos, autos und überall wird hingefahren. Ziemlich schlecht für unsere umweltbilanz! Bild ist klor, doch zurück zu meinen schwiegereltern.

Zu ihrer familie gehört eine überalles geliebtes enkelkind. Die motivation, über die ökologische entwicklung unseres planeten nachzudenken, liegt nahe. Natürlich wissen sie, das besonders in einer großen stadt im hochsommer autos sehr stinken, sie der gemeinschaft eine menge kosten (jaja, auch wenn sie ein wirtschaftlich wichtiger faktor sind) und es viel zu viele verkehrsunfälle gibt. Nun glaube ich aber nicht, dass sie sich bezüglich ihres neukaufes darüber gedanken gemacht haben. Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, ob sich meine schwiegereltern über andere kraftstoff-technologien informiert haben. Letztendlich hat mich die ganze geschichte zum nachdenken gebracht: Warum ist umweltschutz so schlecht verkäuflich?

Zurück zu diesem wunderbaren paper, welches die unterschiedlichen motivationen zur verkehrsmittelwahl in drei gruppen geteilt hat.

a) das auto = essentielles werkzeug. Wohnt man auf’m land, hat viele kinder, hat viel zu wenig zeit, um auf dem zwei mal am tag erscheinenden bus zu warten und transportiert man viel zeugs, hat so eine karre schon einen einfach nachvollziehbar hohen stellenwert.

b) das auto = spielzeug. Sie fahren gerne herum und lieben ihre unabhänigkeit. Autofahren ist freiheit, sogar entspannung und bietet die möglichkeit sich nach gutdünken zu verhalten.

Und c) das auto = symbol. Die ellbogen-raus-fahrer. Auto und fahrer bilden eine art einheit und wirken zusammen doppelt stark. Der adel und ihre chauffeure.

Sicherlich haben autofahrer mehrere motive, die in einigen der drei gruppen zu finden sind, wesentlich sind die drei unterschiedlichen schwerpunkte, oder?

Am interessantesten sind die emotionen, die das auto zu einem symbol verwandeln. Und genau dort glaube ich, liegt der hund begraben, um erfolgreich umweltschonendes fahrverhalten propagieren zu können. Sicherlich erfüllt das auto mehrere funktionen, von denen einige wiederum im paper aufgezählt sind. So ist ein auto ein „soziales signal“, ein „kostüm“, erweckt das gefühl von „kraft“ und „sicherheit“. Autofahren verändert: So erhöht z.B. das schnellfahren die adrenalin ausschüttung, das jeweilige verhalten kann aggressivität, verärgerung, dummheit und natürlich auch großzügigkeit artikulieren. Manche menschen geben ihrem auto ein namen. Andere verbringen unendlich viel zeit mit aufmotzen, tieferlegen, verspachteln, geil sprühen, rumschrauben und haben kumpel, die genau das gleichen machen.

Die Frage ist dann, wie werden umweltfreundliches fahren, energiesparende autos oder das einfache reflektieren der eigenen gewohnten verhaltensweise emotional interessant, um es besser verkaufen zu können? In der überschrift rede ich von umweltfreundlich, etwas später von umweltschonendes fahrverhalten. Eigentlich beschreiben die beiden wörte, das selbe. Im detail steckt der ausschlaggebende unterschied: umweltfreundlich beinhaltet einen gefühlsausdruck, schonend hingegen bezieht sich auf ein reduziertes verhalten. Im grunde genommen ist die emotionale ebene aber die stärkere, nicht das zöllibat! Ich zweifele stark daran, das meine schwiegereltern auf umweltfreundlichkeit keinen wert geben, nur wurden ihnen keine produkte angeboten, existierte keine beratung, um ihnen möglichkeiten aufzuzeigen. Naja, vielleicht ist dies von einem autohändler auch zuviel verlangt, da ich keine ahnung habe, wie in dem betrieb vorgaben und motivationen aussehen. Nur sollten vielleicht mein mann und ich mit ihnen öfters mal gedanken austauschen. Schließlich erkenne ich dann auch nur so, wie ich mich gerade irre.

Mal schauen, ob sie uns diese woche noch zum abendessen einladen wollen?

 

[1] Bernhard Schlag und Jens Schade: Psychologie des Mobilitätsverhaltens, Aus Politik und Zeitgeschichte, Thema „Verkehrspolitik“, 29-30/2007, S.27-32

3 Antworten zu „das neue auto meiner schwiegereltern ODER warum scheint es so wenig umweltfreundliche autos zu geben?“

  1. wzeinert sagt:

    Liebe Mimi
    da hast Du Dir ja sehr viel Mühe gegeben, die unterschiedlichsten Blickwinkel eines Autokäufers zu ergründen. Wir haben und wirklich sehr viel Mühe gegeben und viel Zeit aufgewandt das richtige Mobil zu finden. Bauer Schulte hatte einen alten Klepper zum Verkauf angeboten, war jedoch nichts für uns. Reiner Einsitzer, nur 1 PS, Umweltverschmutzer ( hast Du schon mal einen richtig großen Haufen Pferdeäppel gesehen? Und wohin damit? da muss man ja eine Reisetasche mitnehmen ). Also kurzum: es wurde wieder ein Auto, aber ich verspreche Dir, dass Du auch mal mitfahren darfst. Mit dem Essen ist das jedoch so eine andere Geschichte. Für Dich haben wir Brennessel/Kresse/Schnittlauch- Salat vorbereitet.
    Wir essen natürlich fette Haxe mit Kraut.

    Liebe Grüße an Dein Fahrrad

  2. lotteu sagt:

    Lieber Schwiegerpapa,
    ich komme mit meinem heißgeliebten fahrrad zum essen. Doch ich hätte lieber fisch (nätürlich zu dem salat)!
    Das ist doch ok, ich wachse ja noch?!
    Bis übermorgen
    die schwiegertochter

  3. wikinger sagt:

    Ich habe nicht den ganzen artikel gelesen, da ich noch ein wenig vor mich hin transpiriere – war mit dem rad im bunker. Auf die gefahr hin gesagtes zu wiederholen, bei jungen leuten sind so große autos potenzersatz! wie das bei „älteren leuten“ ist, weiß ich nicht. man hat ja neben hund auch noch enkel…

Eine Antwort schreiben

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.